Zu viele Fehlwürfe und zu viele technische Fehler

Wenn die Mannschaft von Trainer Ulli Kriebel bei der Chancenverwertung und bei der Anzahl der technischen Fehler nicht bald deutlich die Kurve bekommt, dann droht dem Aufsteiger in der Zweiten Handball-Bundesliga ein womöglich langer Aufenthalt auf dem letzten Tabellenplatz. Denn dort ist der TSV Bayer Dormagen nach dem zweiten Spieltag  und der 27:32-Niederlage (Halbzeit 15:16) beim EHV Aue am vergangenen Sonntagabend angekommen.

Er kam bis zur 50. Spielminute, als er für Matthias Broy das Tor räumen musste, auf zwölf gehaltene Würfe in Aue: der Ungar Gergö Rózsavölgyi. (Foto: TSV)

Vielleicht lag es ja daran, dass Kriebel seinen Schützlingen am Tag vor der Fahrt ins Erzgebirge nach Informationen des RA überraschend trainingsfrei gegeben hatte. Denn auch in der Phase vor dem 23:24 (47. Minute) – danach setzten sich die keineswegs unschlagbaren Hausherren auf 27:24 (51.) und 30:25 (58.) ab – unterliefen den Gästen deutlich zu viele Fehlwürfe und deutlich zu viele technische Fehler. Alleine Lukas Stutzke brachte zwei haarsträubende Fehler beim Dribbling zustande. Dazu kamen von anderen Spielern unbedrängte Pässe am Mitspieler vorbei ins Aus. Das konnte der EHV Aue zwar genauso „gut“, doch er schraubte die Fehlerquote in der entscheidenden Phase gegen Ende des Spiels herunter. Zeitgleich ging den Dormagenern sichtlich die Puste aus – vor allem im Rückraum, wo neben dem noch nicht wieder voll einsatzfähigen Stutzke (3) nur Eloy Morante Maldonado (5), Benjamin Richter (4/1) und Nuno Rebelo (2) zur Verfügung standen. Der Portugiese konnte an die starke Leistung am ersten Spieltag gegen Lübbecke leider nur ansatzweise anknüpfen.
Die Gründe für die dünne Personaldecke auf den Rückraumpositionen: Ian Hüter weilte in den USA, um dort zwei Freundschaftsspiele mit der amerikanischen Nationalmannschaft zu absolvieren. Seine doppelte Staatsbürgerschaft und die Freigabe durch den Verein machten es möglich. Sein Bruder Patrick Hüter blieb nur deswegen in Deutschland, weil die beiden Länderspiele mit Prüfungsterminen an der Uni kollidierten. Der Kreisläufer hätte also rein theoretisch auch fehlen können. Heider Thomas saß diesmal noch nicht einmal auf der Bank, sondern neben Daniel Eggert auf der Tribüne. Beide sind wegen Leistenbeschwerden nicht einsatzfähig. Dabei sollen die MRT-Befunde nach Informationen des RA in beiden Fällen keine diesbezüglichen Hinweis ergeben haben. So fehlte auch beim zweiten Saisonspiel die von Kriebel so oft gelobte „Breite des Kaders“, so fehlten wichtige Alternativen. Immerhin bekam Rebelo im Gegensatz zum ersten Saisonspiel in der ersten Halbzeit einmal eine kurze Pause von etwa zwei Minuten, in der ihn Maldonado aber nicht überzeugend vertrat. Dass die Gäste überhaupt so lange am EHV dran blieben, hatten sie der recht guten Leistung des ungarischen Neuzugangs im Tor zu verdanken. Gergö Rózsavölgyi kam bis zur 50. Minute, als er überraschend für Matthias Broy den Kasten räumen musste, auf zwölf Paraden. An seinem Gegenüber im Tor von Aue, Erik Töpfer (kam ab der 17. für Radek Musil), scheiterten die „Wiesel“ mit 16 ihrer Torwürfe – darunter zwei vergebene Siebenmeter durch Richter und Tim Wieling (4/1). Dabei hätten es beide Dormagener Keeper sicherlich etwas leichter gehabt, wenn vor allem der Innenblock in der Abwehr und auch die Deckungsspieler auf den Halbpositionen körperlich präsenter, aggressiver ans Werk gegangen wären. So kam ein ums andere Mal ein Wurf aus dem Rückraum auf den TSV-Kasten, der als Aufsetzer für jeden Torhüter unangenehm ist – zumal wenn er auch noch in die Torecke durchkommt, für die die Defensive im Block verantwortlich ist.
So nahmen die Dinge in der „Hölle Erzgebirgshalle“  vor allem am Ende unaufhaltsam ihren Lauf. Dieser negative Lauf könnte dem TSV Bayer Dormagen im Falle einer Niederlage beim TV Hüttenberg – wie der TuS N-Lübbecke aus der Ersten Liga abgestiegen – am kommenden Samstagabend 0:6 Punkte und maximalen Druck für das dann folgende Heimspiel am Samstag, 15. September, gegen Wilhelmshaven bescheren. Denn gegen den WHV ist ein Sieg vor eigenem Publikum im Sportcenter dann absolute Pflicht. (Oliver Baum)

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