Von fast allen guten Handballgeistern verlassen

Der TSV Bayer Dormagen ist nach dem zehnten Spieltag der Zweiten Handball-Bundesliga da angekommen, wo er am Ende der Saison nicht stehen will: in der gleich fünf Mannschaften umfassenden Abstiegszone. Die Folge der eigenen 27:36-Heimniederlage (Halbzeit 12:16) gegen Eintracht Hagen am vergangenen Freitag und der anderen Ergebnisse am vergangenen Wochenende. Erschreckend chaotisch präsentierte sich der Aufsteiger, der sich zudem in den letzten fünf Minuten in sein Schicksal ergab. So wurde aus dem 27:31 noch eine unnötig hohe Neun-Tore-Niederlage.

So sah es am vergangenen Freitag oft aus: Die TSV-Abwehr hatte das Nachsehen und ließ ihre beiden Torhüter im Stich. (Foto: SePo)

Dabei mussten die „Wiesel“ vor nur 1.071 Zuschauern im Sportcenter – angesichts der Entfernung zu Hagen war der Besuch einmal mehr enttäuschend – auf Trainer Ulli Kriebel verzichten, der mit Fieber das Bett hüten musste. Doch die taktische Grundausrichtung, mit der die Hausherren in die Partie gingen, dürfte sehr wohl mit ihm abgestimmt gewesen sein. Und die funktionierte gar nicht: Denn mit drei Rechtshändern im Rückraum entfaltete der Aufsteiger so gut wie gar keinen Druck auf die Deckung der Gäste. Das führte bis zur 17. Minute zu einem Vier-Tore-Rückstand (4:8), dem der TSV die weitere Spielzeit ständig hinterherlaufen sollte, um vor allem nach der Pause nie mehr näher als auf vier Tore heranzukommen. Das Kuriose: Linkshänder Daniel Eggert saß mehr als 16 Minuten auf der Bank, obwohl er offensichtlich nicht verletzt war, wurde dann eingewechselt und avancierte mit sechs Treffern zum besten Dormagener Feldtorschützen. Warum spielte er nicht von Anfang an und bekam zwischendurch seine Pausen? Warum dauerte es viel zu lange, bis Co-Trainer Peer Pütz den Linkshänder endlich brachte?
Katastrophal war an diesem Abend die Defensive der Hausherren. Die Abwehr hatte wie schon in der ersten Halbzeit gegen Großwallstadt den Namen nur in wenigen Ausnahmefällen verdient. Bezeichnend für das Fehlen fast jedweder Aggressivität: Erst in der 46. Minute gab es für den TSV Bayer die erste Zeitstrafe. Sie war zugleich die einzige an diesem trostlosen Handballabend. Da es diesmal nicht wie gegen Großwallstadt eine nennenswerte Steigerung der Defensive nach der Pause gab, hatten die ausgebufften Hagener, die jeden Fehler der Dormagener gnadenlos ausnutzten, vor allem in den Duellen Mann gegen Mann ganz oft sehr leichtes, ja „nahezu unberührtes“ Spiel. Das führte zu einem munteren Torewerfen, bei dem die beiden Dormagener Keeper Sven Bartmann und Gergö Roszavölgyi viel zu oft im Stich gelassen wurden. Beide kamen dennoch zusammen auf neun Paraden, nur eine weniger als das Torhüterduo der Hagener. Doch auch im Angriff zeigten die Dormagener ihre bisher schlechteste Saisonleistung, denn viel zu oft verzettelten sie sich in Einzelaktionen. Spielerische Lösungen, eine Führung auf dem Feld inklusive Tempokontrolle, der Kampf um jeden Zentimeter Hallenboden bis zum Ende – das Alles blieb der TSV am vergangenen Freitag leider schuldig. (Oliver Baum)

Kommentare sind geschlossen.