Trotz Chemo: Schönes Haar dank Kühlkappe

Patientinnen des Kreiskrankenhauses nutzen erfolgreich neuen kostenlosen Service

Trotz Chemo: Schönes Haar dank Kühlkappe

Das Versprechen des Herstellers ist offenbar nicht übertrieben. Gut die Hälfte der Patientinnen, die die Kühlkappe angewendet haben, litten während der Chemotherapie wenig oder überhaupt nicht unter dem als Nebenwirkung gefürchteten Haarausfall. „Uns ist wichtig, das Wohlbefinden unserer Patientinnen in dieser ohnehin für sie schwierigen Zeit zu fördern und zu verbessern“, erklärt Dahdouh. Das Haar spiele für das Selbstbild vieler Frauen eine große Rolle. Da könne es für die Psyche eine zusätzliche Belastung sein, vorübergehend auf eine Perücke angewiesen zu sein. Darum bietet die Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH diesen Service kostenfrei für ihre Patientinnen an. Und die Patienten. Zwar werde das Kühlsystem hauptsächlich bei Frauen in der Brustkrebsambulanz eingesetzt, aber die Geräte stehen grundsätzlich allen Krebspatienten zur Verfügung, die chemotherapeutisch behandelt werden. „Männer haben natürlich ebenso das Recht, ihre Haare nicht zu verlieren“, betont Dahdouh. Die Reaktionen in beiden Kreiskrankenhäusern sind überwiegend positiv. „An die Kälte gewöhnt man sich schnell“, sagte eine der ersten Patientinnen, die das Kühlsystem nutzten. Lediglich eine Patientin vertrug die geringen Temperaturen gar nicht und verzichtete darum auf die weitere Anwendung. Begeistert äußern sich wiederum jene, die die „Chemo“ beenden konnten, ohne auf eine Perücke angewiesen zu sein. Die Diagnose „Krebs“ ist für jeden Betroffenen zunächst einmal ein Schock. Wenn die behandelnden Ärzte dann zur Chemotherapie raten, ist eine der am meisten gefürchteten Nebenwirkungen der drohende Haarverlust. Die Angst vor dieser Veränderung ihres Äußeren ist bei einigen Patientinnen so groß, dass sie sich gegen diese wichtige Therapie entscheiden. „Für viele unserer Patientinnen ist das Kühlkappensystem ausschlaggebend für ihre Entscheidung, die Chemotherapie durchführen zu lassen“, so Irina Küppers-Buhn aus der Onkologischen Ambulanz im Kreiskrankenhaus Hackenbroich, wo auch sehr gute Erfahrungen mit den Kappen gemacht wurden. Die lassen eher an einen Frisiersalon als an ein Krankenhaus denken. Kernstück des Haarausfall-Präventions-Systems, das den Patienten kostenfrei zur Verfügung steht, ist eine Haube, durch die Kühlflüssigkeit zirkuliert. Mit ihrer Hilfe wird die Kopfhaut vor, während und nach jeder Infusion auf konstante 19 Grad Celsius gekühlt. So soll dem Haarverlust bei den am meisten genutzten chemotherapeutischen Medikamenten entgegengewirkt werden. Laut Hersteller schlägt die Methode bei rund 60 Prozent der Patientinnen so gut an, dass sie während der mehrmonatigen Behandlung nicht auf eine Perücke angewiesen sind. Selbst in jenen Fällen, in denen der Haarausfall nicht gänzlich vermieden werden könnte, soll das erneute Haarwachstum nach der Chemotherapie früher und dichter wieder einsetzen. (eb/-oli; Rheinischer Anzeiger vom 21.2.2018)

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