„Tropfsteinhöhle“ ist ein Millionengrab

Sanierung eines städtischen Bauwerks, erhebliche Mängel, die erst im Zuge der ersten Arbeiten erkennbar werden, deutlich steigende Kosten – Dass sich die Kommunalpolitiker im Stadtrat daran noch immer nicht gewöhnt haben, wurde in der vergangenen Woche deutlich. „Tatort“ diesmal: die Tiefgarage in Zons, im Volksmund auch „Tropfsteinhöhle“ genannt. Mehr als 2,5 Millionen € muss die Stadt Dormagen nach aktuellem Stand für die komplette Ertüchtigung ausgeben. Die Alternative wäre eine Verfüllung. Aber die wäre nur etwa 100.000 € „günstiger“, hätte Sicherheitsrisiken und keine Möglichkeit zur Gegenfinanzierung.

So fiel der Beschluss im der Stadtratssitzung nach der Präsentation der Projektsteuerer Dr. Norbert Brauer/Andreas Bischoff, nach diversen Nachfragen, denen sich auch Geschäftsführer Klaus Schmitz als Vertreter der Eigentümerin, der Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD), stellte, und nach einer teilweise kontroversen Diskussion dennoch einstimmig aus. Dass dabei die eine oder andere Fraktion trotz ihrer Zustimmung die berühmte Faust in der Tasche gemacht haben dürfte, lag sicherlich auch an der Alternativlosigkeit: Die aktuell prognostizierten Kosten der Sanierung liegen bei rund 2,15 Millionen € netto. Die Nutzbarkeit der Tiefgarage mit ihren 64 Stellplätzen, die 1973 gebaut wurden, wird so um etwa 40 Jahre verlängert. Zur Refinanzierung eines Teils der Investitionen hatte der SVGD-Geschäftsführer vorgeschlagen, die Einstellentgelte zu erhöhen sowie die Bewirtschaftung der oberirdischen Parkplätze – dort wird es 75 Stellplätze geben (Bauphase läuft) – anzustreben. Konkrete Beschlüsse dazu gab es in der Ratssitzung zwar nicht, es ist aber absehbar, dass diese so folgen werden. Wobei ergänzend darüber diskutiert wurde, einen Teil der oberirdischen Parkplätze mittels einer Schranke abzutrennen und genau wie in der Tiefgarage nur Anwohnern als Dauerstellplatz zu vermieten. So gibt es immerhin eine Teilgegenfinanzierung, die es bei einer Verfüllung, die mehr als 2,05 Millionen € netto kosten würde, nicht gegeben hätte. Außerdem hätte diese Variante ein Problem: das Risiko von Setzungsrissen.

An dieser Säule in der Tiefgarage wurde die Außenschicht unten entfernt, um den Zustand des Betons richtig untersuchen zu können. (Foto: PS-BB)

Ursprünglich sollte der zweite Sanierungsabschnitt, quasi der unterirdische (die oberirdischen Arbeiten laufen), erst in zwei Jahren folgen. Doch die Projektsteuerer betonten, dass alleine die Rampe bei Kosten von etwa 240.000 € schon jetzt angepackt werden müsse. So sprach sich der Stadtrat in seinem Beschluss zugleich dafür aus, den gesamten zweiten Bauabschnitt so schnell wie möglich anzugehen. Damit soll verhindert werden, dass Steigerungen bei den Baupreisen zu einer weiteren Kostensteigerung führen. Der ehemalige SPD-Fraktionschef Bernhard Schmitt sprach von „einer sauberen Lösung für die nächsten 40 Jahre. Wir dürfen nicht vergessen, dass die SVGD diese Tiefgarage von der Stadt quasi ,geerbt’ hat.“  Im Zuge des Rückbaus der Tiefgaragenaufbauten hatte sich gezeigt, dass die außenliegenden Beton- und Mauerteile erhebliche Substanzzerstörungen aufweisen. Die Deckenfugen sind, so Brauer, „durchgängig geschädigt und müssen vollumfänglich saniert werden. Fugenbänder sind ohne Funktion und haben eine permanente Feuchteinwirkung auf die Betonbauteile ermöglicht.“ Auf der Tiefgaragendecke wurden umfangreiche Rissbildungen im Beton festgestellt. Die Entwässerungssysteme der Decke und der Rampe funktionieren gar nicht mehr, da alle Leitungen entweder desolat oder komplett verstopft sind. Da das Bauwerk vor Frosteinwirkungen geschützt werden muss, „ist es zwingend erforderlich, dass umgehend die Sanierung der außenliegenden Bauteile durchgeführt wird, um danach die oberirdischen Parkplätze wieder herstellen zu können“, erklärte der Diplom-Ingenieur. Ein Verzicht der Erhaltungsmaßnahmen (Sanierung, Verfüllung oder Rückbau) würde dazu führen, dass auch die oberirdischen Stellplätze nicht mehr genutzt werden könnten, da die Standsicherheit der Tiefgarage nach etwa zwei Jahren nicht mehr gegeben sein könnte.
Bis zum Januar 2019 sollen alle oberirdischen Stellplätze – außer denen, die zum neuen Kreisarchiv gehören – fertig sein, wenn das Wetter für die Bauarbeiten mitspielt. Die Tiefgarage wäre dann nutzbar, wird nun aber angefangen mit der Rampe (Bauphase von etwa zwei Monaten) auch saniert. Nach jetziger Planung wird es im kommenden Jahr Phasen geben, in denen die Stellplätze in der Tiefgarage nutzbar sind. Sobald die ersten Arbeiten für die unterirdische Sanierung beginnen, müssen auch Teile der oberirdischen Stellplätze aus Sicherheitsgründen wieder gesperrt werden, weil dann keine Standsicherheit für Wände und Decke gegeben ist. (Oliver Baum)

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