Sind der Stadt weitere Kunstwerke abhandengekommen?

Dass die vom Künstler Otto Andreas Schreiber gestalteten Fenster im Zuge der umfangreichen Umbauarbeiten der Aula des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums (BvA) zerstört wurden, ließ die Empörung und Kritik zahlreicher Bürger laut werden (der RA berichtete). Nun werden zwei weitere Kunstwerke vermisst, welche das Gebäude und die davor gelegene Wiese der benachbarten Sekundarschule zierten. Sind der Stadt Dormagen weitere kulturelle Kostbarkeiten abhandengekommen?

Zurzeit werden an der Sekundarschule, ehemalige Hermann-Gmeiner-Schule, Umbau- und Modernisierungsarbeiten in Höhe von 8,15 Millionen € durchgeführt. Ein Kind mit einem Drachen und eine Frau aus Bronze schmückten noch vor Baubeginn das Gebäude sowie die davor gelegene Wiese an der Bahnhofstraße in Dormagen – und das jahrzehntelang. Schon bevor die frühere Hauptschule in den 80er Jahren zur UNESCO-Projekt-Schule ernannt wurde, waren die Kunstwerke 1969 montiert worden – daran erinnert sich Rudi Pehe, der dort als Lehrer beschäftigt war, bevor er das Rektorat der Theodor-Angerhausen-Grundschule übernommen hatte. Doch heute steht nur noch der leere Stein-Sockel auf der Wiese und in der Gebäudefassade sind die Reste der Verankerungen zu finden.

Unter anderem diese Bronze-Figur, die einmal die Gebäudefassade der ehemaligen Hermann-Gmeiner-Schule zierte, wird vermisst. Mit Hochdruck versucht die Stadt Dormagen derzeit ihren Verbleib zu klären. Foto: Jürgen Pennings

„Bereits im Juli habe ich eine Anfrage an die Kultur-Dezernentin Tanja Gaspers gestellt und mich nach dem Verbleib der Kunstwerke erkundigt“, so Martin Pehe, stellvertretender Fraktionsvorsitzender des Dormagener Bündis 90/Die Grünen. Er habe die „unbefriedigende Antwort“ bekommen, dass das Mädchen mit Drachen unabhängig von der laufenden Baumaßnahme abmontiert wurde, was von der Schule selbst veranlasst worden sei. Zur Statue auf dem Pausenhof habe er schlichtweg keine Antwort erhalten. Die Stadt sei Träger der Sekundarschule und somit Eigentümer der Kunstwerke. Der zuständige Architekt der Umbaumaßnahme, Jürgen Pennings, ist laut Martin Pehe sicher, dass die Figuren in den vergangenen Monaten verschwunden sein müssen. Über den Verbleib habe auch er keine Informationen.

Wann hat der Verwaltungsvorstand durch wen vom Verschwinden der Bronzefiguren Kenntnis erhalten? Was ist über den Verbleib bekannt? Mit welchem Wert werden die verschwundenen Kunstwerke in der städtischen Inventarliste geführt? Wurde im Zusammenhang mit dem Verschwinden einer der Figuren Strafanzeige bei der Polizei erstattet? Diese und weitere Fragen hat das Bündis 90/Die Grünen in einer Anfrage für die Ratssitzung am Donnerstag, 13. September, formuliert. „Ich habe den Eindruck, da ist irgendwas schief gelaufen“, meint Martin Pehe. Zudem äußerte er den Verdacht, dass die Stadt keinen Überblick über die in ihrem Besitz befindlichen kulturellen Kostbarkeiten habe, weshalb so ein Verschwinden auch erst Monate später bemerkt wird. „Da bereits im BvA Kunstwerke zerstört worden sind, mache ich mir Sorgen um den allgemeinen Umgang mit Kunst in der Stadt. Ich bin nun den offiziellen Weg über die Anfrage für die Ratssitzung gegangen, weil ich bis heute keine zufriedenstellende Antwort von Frau Gaspers erhalten habe“, so Martin Pehe weiter.
Auf Anfrage der RA-Redaktion erklärte die Pressestelle der Stadt Dormagen, dass gerade mit Hochdruck daran gearbeitet werde, den Verbleib der Bronze-Figuren zu klären. Pressesprecher Max Laufer schließt nicht aus, die Polizei einzuschalten, „weil es sein könnte, dass sie auf unrechtmäßigem Weg abhandengekommen sind“. (jvh)

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