UPDATE – Schreiber-Fenster: Spendenstand nun schon bei etwa 9.000 Euro

Bei der Baustellenbesichtigung am 20. April mit dem Bürgermeister waren die Schreiber-Fenster noch alle da. (Foto: -oli)

Bei der Sanierung der Aula des städtischen Bettina-von-Arnim-Gymnasiums wurden zwei der vier großen Fenster des bekannten Dormagener Künstlers Otto Andreas Schreiber zerstört. Wie mit den verbliebenen zwei Fenstern umzugehen ist, darüber entbrannte in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses eine Diskussion mit zum Teil heftiger Kritik an den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung. Einige kunstinteressierte Dormagener haben sich rechtliche Schritte vorbehalten, andere sammeln Spenden, um bei der erwünschten Einlagerung der Restfenster zu helfen.

Chris Stoffels, Professor Heiner Spicker und Hermann Kienle sprechen in einer offenen Stellungnahme von einem „barbarischen Akt gegen die Kultur in Dormagen“. Schreiber sei die bedeutendste künstlerische Persönlichkeit der Nachkriegszeit in Dormagen gewesen. Seine Glasfenster in der Aula zählten zu den wichtigsten seiner Werke. „Zu versuchen, sie in einem Verwaltungsakt ohne große Diskussion zu beseitigen, ist höchst bedenklich“, schreiben die drei Dormagener. Die Fenster dürften ihrer Einschätzung nach auf dem Spezialmarktvermutlich einen sechsstelligen Betrag wert sein. Von einer „markanten Verschwendung“ ist die Rede, von der Prüfung einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und von der Einschaltung der Aufsichtsbehörde. Die Werke Schreibers seien „fahrlässig oder sogar mit Vorsatz zerstört“ worden. Es seien Fakten geschaffen worden, anstatt im Vorfeld eine kulturpoltische Entscheidung einzuholen. Gehe es um die Dämmung der alten Fenster, so könne eine Scheibe davor gesetzt werden: „ein erprobtes Verfahren“. So sehen das auch die Spendensammler um Helmut Garritzmann und Dieter Frankenstein, die bei den BvA-Schülern und -Ehemaligen sowie den Lehrer bereits Spenden von etwa 9.000 € gesammelt haben, um die Stadt beim weiteren Vorgehen finanziell zu unterstützen.
Im Kulturausschuss waren einige Mitglieder entsetzt darüber, dass bereits zwei der vier Glasfenster zerstört sind. SPD-Ratsherr Joachim Fischer sprach von einem „Kunstfrevel“ und forderte, die Zerstörung zu stoppen. Das ist geschehen; die Bauarbeiten ruhen für 14 Tage. Die für die Kultur zuständige Beigeordnete Tanja Gaspers erklärte, es wäre extrem kostspielig, die Fenster zu erhalten. Sie seien in die neue Aula nicht integrierbar. Aus dem Ausschuss kam Kritik daran auf, dass es keine Beratung des Themas im Vorfeld gegeben habe. Es habe noch nicht einmal einen Hinweis auf die Zerstörung gegeben. Die Forderung wurde laut, die Glaselemente separat auszubauen und zwischenzulagern. Ein entsprechender Prüfauftrag für den Erhalt der beiden verbliebenen Fenster sei beim Eigenbetrieb Dormagen abgearbeitet worden. Die Sicherungs- und Demontagemaßnahme würde demnach rund 50.000 € kosten. „Dieser erhebliche Finanzaufwand ist nicht zu verantworten“, erklärte Gaspers. Das sei dem Eigenbetriebsausschuss im April so mitgeteilt worden. Zudem dürfe sich der Eröffnungstermin der neuen Aula im Januar 2019 möglichst nicht verschieben. Die Verwaltung nahm den mehrheitlich beschlossenen Prüfauftrag mit, mit einer Fachfirma zwecks Einlagerung der Fenster Kontakt aufzunehmen. Derweil ist auch im Internet eine Diskussion über das Thema entbrannt. Die vorherrschende Meinung dort: Wie konnte die Stadtverwaltung das einfach machen? (-oli)

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