Handball-Saisonstart: Zusammenhalt und Ruhe als großes Plus

Dass der TSV Bayer Dormagen in der Saisonvorbereitung inklusive des Select-Cups in Langenfeld seine Testspiele auch gegen Konkurrenten aus der Zweiten Handball-Bundesliga gewonnen hat, wollte Trainer Ulli Kriebel vor dem heimischen Trainingslager und damit auch noch vor dem Pokalwochenende nicht überbewerten: „Da wir mit der Vorbereitung schon viel früher als andere Vereine angefangen haben, sind wir denen derzeit einen Schritt voraus.“ Die Ergebnisse dürften nicht zu einer höheren Erwartungshaltung führen. „Es geht für uns ausschließlich um den Klassenerhalt“, betonte Kriebel.

Da dürfte ihm rund um den Höhenberg, aber auch in der Zweiten Liga niemand widersprechen. Der Aufsteiger, der in der Dritten Liga-West in der vergangenen Spielzeit mit 48:12 Zählern Zweiter hinter dem TuS Ferndorf (59:1 Punkte) geworden ist, wird von allen Experten als der Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt. Dem Trainer, der vor dem Select-Cup zwei Wochen lang nicht bei der Mannschaft war, sondern mit seiner Familie Urlaub in den Niederlanden gemacht hat, findet das sogar gut: „Das nehmen wir gerne so an, denn als Außenseiter ist es einfacher, für die eine oder andere Überraschung zu sorgen.“ In der Prognose für die anstehende Saison 2018/19 greift er gerne auf Worte des Dormagener Ex-Trainers Kai Wandschneider beim „Jubiläumsspiel“ im Juni im Sportcenter zurück: „Es wäre schon sensationell, wenn der TSV in dieser stärksten Zweiten Liga der Welt den Klassenerhalt schaffen würde.“ Das gilt vor allem deshalb, weil die Handball-Bundesliga (HBL) in dieser Saison die Erste Liga und ihr direktes Unterhaus von der Anzahl der Teams her auf den ehemaligen Stand zurückführen wird. Bedeutet für beide Ligen: In der nächsten Spielzeit sind jeweils nur noch 18 Mannschaften dabei. Bedeutet für diese Saison in der Zweiten Liga: Die „Wiesel“ müssen fünf andere Teams hinter sich lassen, um den Klassenverbleib zu schaffen. Eine Spielzeit später wären es nur noch zwei Teams.
Björn Barthel, Geschäftsführer der Handball GmbH, sieht für die Erreichung des Ziels „Klassenerhalt“ gute Rahmenbedingungen: „Vom Etat her liegen wir im oberen sechsstelligen Bereich. Wir haben einen interessanten, ausgeglichen besetzten Kader. Die Neuzugänge wurden schon gut integriert. Der Trainer muss nun in der Endphase der Vorbereitung weiter das Team formen, dass unsere Zielsetzung erreicht.“ Genaue Zahlen zum Etat will er nicht nennen, da bei dieser Angabe eine Schieflage herrsche. „Manche Vereine lassen die sonstigen Personalkosten raus, manche führen die Geschäfte auf Gegenseitigkeit nicht auf. Die Etatangaben sind nicht wirklich vergleichbar“, so Barthel. Sicher sei aber, dass „wir deutlich besser aufgestellt sind, als nach unserem letzten Aufstieg in die Zweite Liga“. Das ist vier Jahre her.
Kriebel rechnet vor, dass es seiner Meinung nach 30 Punkte braucht, um den Ligaverbleib hinzubekommen. Das wären 15 Siege. „Das Team hat die Qualität, um Spiele zu gewinnen. Das müssen wir auch auswärts schaffen, wenn wir die Klasse halten wollen. Es werden Niederlagen kommen und wir werden Fehler machen. Es gilt, daraus schnell zu lernen und uns weiterzuentwickeln“, so der Cheftrainer, der hauptberuflich als Maschinenbau-Ingenieur arbeitet. Um das Vorhaben zu unterstützen, sind neben der Übernachtung in Göppingen beim DHB-Pokal weitere sechs Hotelübernachtungen geplant – vor allem mit Blick auf die Doppelspieltage Freitag/Sonntag. Übernachtet wird bei den Auswärtsspielen in Aue, Hamburg, Dresden, Dessau, Balingen und Lübbecke.
Kriebel prognostiziert, dass „im unteren Bereich der Tabelle zehn Teams gegen den Abstieg kämpfen werden. In dem Bereich kann jeder jeden schlagen.“ Darüber bräuchte der TSV schon einen „Sahnetag, um konkurrenzfähig zu sein“. Oben im Kampf um den Aufstieg in die Erste Liga sieht der 40-Jährige, der in der vergangenen Saison in seiner ersten Trainerstation bei den Senioren den Aufstieg in die Zweite Liga schaffte (vorher Coach der A-Jugend), Lübbecke („ein Erstligakader“), Schwartau, Hamm, Balingen, Coburg und Hüttenberg („unorthodoxes Abwehrsystem“). Nach dem ersten Drittel der Spielzeit, die für den TSV am 8. Juni 2019 mit dem Heimspiel gegen die Rhein Vikings endet, könne, so Kriebel, eine erste konkrete Einschätzung erfolgen, wie „breit der Abstiegskampf wirklich wird“.
Nicht breit, dafür aber weit wird es mitunter bei den Anreisen: Nach Dresden zur BallsportArena sind es 589 Kilometer, auch die Erzgebirgshalle in Lößnitz hat die „5“ bei der Entfernung vorne (530 Kilometer). Zweistellig entfernt sind nur die Hallen in Essen, Hagen und Düsseldorf. Insgesamt kommen bei allen Auswärtsfahrten 5.453 Kilometer zusammen.
Wie immer, wenn das Vorhaben besonders schwierig ist, setzen Barthel & Co. auf die Unterstützung der Fans – und das nicht nur bei den Heimspielen im Sportcenter. „Die Mannschaft muss in jedem Spiel das beste aus sich herausholen, muss um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfen. Jeder Spieler muss für den anderen einstehen, auch dessen Fehler ausbügeln“, so Barthel. Bei Rückschlägen gelte es aber auch, geduldig zu bleiben. „Ruhe und Zusammenhalt müssen unsere Stärken als Team und im Verbund mit den Fans sein“, so der Geschäftsführer abschließend. (-oli)

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