Eindrucksvolles Zeichen für Europa und den Frieden

Als im Rheinland der Start in die neue Karnevalssession gefeiert wurde, wurde vor allem in Frankreich dem Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht. In Sedan war rechtzeitig zu der Gedenkfeier die Restaurierung des „Monument Allemand“ abgeschlossen worden. Dass der 11. November weltweit in Erinnerung an die rund 9,4 Millionen Toten des „La Grand Guerre“ (1914 bis 1918) ein ganz besonderer Gedenktag ist, das ist den meisten Deutschen allerdings gar nicht bewusst.

Die Restaurierung des „Monument Allemand“ auf einem Friedhof in Sedan ist abgeschlossen. (Foto: Oliver Baum)

Das liegt auch daran, dass für Deutschland der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) der „große Krieg“ war. Schließlich lagen die Fronten im Ersten Weltkrieg weit überwiegend nicht auf deutschem Hoheitsgebiet, der Schrecken fand vor allem in anderen Ländern – besonders in Russland und Frankreich – statt. Michael Schwinge, Vorsitzender des Dormagener Vereins „wir.einander“ (Motto: „Kultur erleben, Kultur weitergeben“) und Geschäftsführer des Reiseveranstalters „Kultour&Natour Touristik“ (K&N) mit Sitz im „TopWest“, spricht in diesem historischen Kontext von „Missverständnissen und Ungereimtheiten, die es bis heute gibt“. Diese hätten dazu geführt, dass es Gedenkstätten und Erinnerungsorte insbesondere an der Westfront, also auf französischem Boden, gibt, die vergessen wurden und zerfielen. Das galt lange Zeit auch für das „Monument Allemand“, das in seiner Ausführung an eine kleine Variante des Brandenburger Tors in Berlin erinnert. Es handelt sich um das einzige erhaltene deutsche Großdenkmal aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, das in Sedan auf dem Friedhof Saint-Charles steht. Unbeachtet von weiten Teilen der Öffentlichkeit zerbröselte das Baudenkmal im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir waren beschämt darüber, dass es seit mehr als zehn Jahren Hilferufe aus Sedan gab, die lange Zeit in Deutschland nicht gehört wurden“, berichtet der Hackenbroicher. Mitglieder des Geschichtsvereins in Sedan und französische Bürger setzten sich für den Erhalt des Denkmals ein. Da Sedan in einer der wirtschaftlich schwächsten Regionen Frankreichs liegt, fehlte es lange Zeit an den finanziellen Mitteln, um die Restaurierung anzufangen. Der Verein „wir.einander“ wurde aktiv und übergab Ende Februar 2017 eine Spende in Höhe von 15.000 € als „Anschubfinanzierung“ (der RA berichtete).

Da wurden auch die offiziellen Stellen in Frankreich und Deutschland aktiv, es kamen Zuschüsse und weitere Spenden – Franzosen und Deutsche, die sich der furchtbaren gemeinsamen Geschichte der beiden Nachbarländer bewusst sind, zogen an einem Strang. So kamen die erforderlichen 270.000 € zusammen. „Wir haben unseren Beitrag geleistet und sind gemeinsam mit allen Beteiligten stolz darauf, dass die Restaurierung gelungen ist“, so die Vorsitzende von „wir.einander“, Maria Hoffmann. Nach dem Besuch der Gedenkfeier zum Ende des Ersten Weltkriegs im Zentrum von Sedan machte sich die rund 40-köpfige Gruppe von „wir.einander“/K&N selber ein Bild vom Ergebnis der erfolgreichen Restaurierung. Auf dem Frontbalken des „Monument“ prangt übrigens ein vierzeiliger sehr pathetischer Text des Schriftstellers und Offiziers Joseph von Lauff, in dem der sakrale Charakter des Denkmals zum Ausdruck kommt. Schwinge war es, der zufällig herausfand, dass es sich um den Hackenbroicher von Lauff handelt, nachdem heute eine Straße in dem Stadtteil benannt ist.

Sedan, im Tal der Maas liegend, ist von der Geschichte arg gebeutelt worden. Im deutsch-französischen Krieg 1870/ 71 wurde Kaiser Napoleon III. mit einem Großteil seiner Truppen dort von preußischen Truppen eingekesselt und am 2. September 1870 verhaftet. Der Gedenktag an die „Schlacht von Sedan“ war in Deutschland jahrzehntelang ein Feiertag. Im Ersten Weltkrieg wurde Sedan besetzt, war vier Jahre lang Etappen- und Lazarettstadt, unter anderem für die Soldaten, die an der Schlacht von Verdun beteiligt waren. Im Zweiten Weltkrieg stand Sedan beim Westfeldzug im Jahr 1940 im Mittelpunkt: Deutsche Panzerverbände erkämpften sich dort unter großen Verlusten den Übergang über die Maas. Die Toten aus dem Ersten Weltkrieg (heute sind es 14.055 Gräber) wurden nach 1945 auf den deutschen Soldatenfriedhof Noyer-Pont-Maugis umgebettet, wo bereits die Gefallenen des Westfeldzuges von Mai und Juni 1940 liegen (heute 12.788 Grabstätten). Mit Blick auf die vielen Grabkreuze und Grabplatten auf dem großen Soldatenfriedhof stellt sich unweigerlich die Sinnfrage: Wofür mussten diese Menschen alle ihre Leben lassen? Der Eintrag der „wir.einander“/K&N-Gruppe in das Gästebuch lautete dann auch folgerichtig: „Für den Frieden! Für Europa!“ (Oliver Baum)

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