Ehemaliger Ministerpräsident stellte Einzigartigkeit der EU heraus

Professor Dr. Jürgen Rüttgers hielt einen Vortrag in der NGK-Aula. Foto: jvh

Frieden, Chance und Einschränkung – Diese drei Wörter passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Doch unter anderem mit diesen Begriffen beschrieben verschiedene Schüler des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden (NGK) ihre Wahrnehmung von Europa. Die Gymnasiasten hatten jetzt die Gelegenheit, sich in einer detailreichen Ausstellung fünf Tage lang über das Thema „Europa“ zu informieren, welche von der Erasmus-Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Nadine Neuwöhner mit Partnerschulen aus Frankreich, Spanien, Italien und Rumänien sowie mit Unterstützung der Lehrer David Brockmeier und Marcel König vorbereitet wurde. Zum Abschluss der Woche war am vergangenen Freitag Professor Dr. Jürgen Rüttgers für einen Vortrag zu Gast am NGK. Schüler der Jahrgangsstufen neun bis elf hatten sich in der Aula eingefunden, um die persönlichen Erfahrungen des ehemaligen Ministerpräsidenten mit der Europäischen Union (EU) sowie seine Ansichten zur aktuellen Lage des Bündnisses zu erfahren.
„Deutschland ist Teil des Westens“ – diese Aussage würde heute niemanden mehr wundern, doch zur Zeit des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer sei sie gewagt gewesen und ihre Durchsetzung mehr als schwierig, stieg Rüttgers in seinen Vortrag ein. Den zahlreichen Befürwortern der EU sprach er damit einen gewissen Mut zu, denn das Bündnis habe bisher schon „riesen Fortschritte“ mit sich gebracht. Gleichzeitig sei er davon überzeugt, dass es sich noch nicht in seinem endgültigen Zustand und somit in stetiger Weiterentwicklung befinde. Neben der Geschichte der EU versuchte Rüttgers den Schülern die Vorzüge des Zusammenschlusses zu verdeutlichen. Dennoch machte er auf Nachfrage einer Schülerin keinen Hehl darum, welche Aspekte er an der EU kritisch sieht – „Alles, was mich auch an Deutschland stört: Es gibt zu viel Bürokratie und vieles ist sehr kompliziert“. Viele Fragen an den eindeutigen EU-Befürworter hatten die Flüchtlingskrise zum Thema und reichten von neuen kulturellen Werten in der Bundesrepublik über den Flüchtlingsdeal mit der Türkei bis hin zu Mitgliedstaaten der Europäischen Union, welche sich weigern Asylsuchende bei sich aufzunehmen.

Rüttgers räumte einige Fehler der EU hinsichtlich der Flüchtlingskrise ein. Am schwerwiegendsten ist seiner Meinung nach, dass seitens der EU versäumt worden sei, ihre „Außengrenzen“ selbst zu schützen. Gleichzeitig machte er auf die verschiedenen Gründe für eine Flucht aufmerksam und verdeutlichte sein Verständnis für Menschen, die versuchen Krieg und Gewalt zu entgehen.
Insgesamt beschäftigten sich die Fragen der Schüler zumeist mit den negativen Seiten der EU beziehungsweise ihrer Fehler. Darauf machte Rüttgers auch ein anwesender Lehrer aufmerksam und fragte danach, was getan werden könne, um jungen Menschen die positiven Effekte des Bündnisses wieder mehr ins Bewusstsein zu rufen. Darauf hatte der ehemalige Ministerpräsident keine konkrete Antwort. Doch er verdeutlichte erneut den Tenor seines Vortrags: Die EU ist „einzigartig in der Geschichte der Menschheit“. Doch wie die EU heute ist, sei „nicht in Stein gemeißelt“. Jeder der anwesenden Schüler könne sich engagieren. (jvh)

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