Prozess gegen Betrüger

Am Mittwoch, 9. Januar, begann der Prozess gegen zwei mutmaßliche „falsche Polizisten“ aus Horrem und Hackenbroich. Einer der beiden (27) gestand in einer umfassenden Schilderung, für eine internationale Betrügerbande tätig gewesen zu sein und Senioren um rund 400.000 Euro in Form von Bargeld, Schmuck oder sogar Goldbarren gebracht zu haben. Außerdem erklärte er detailliert das Vorgehen der Bande. Täglich habe er 200 Euro für Kokain ausgegeben, seinen Job als Paketbote verloren und sei glücksspielsüchtig gewesen – Aus diesen Gründen habe er dringend Geld gebraucht, weshalb der 33-jährige Angeklagte ihm vorgeschlagen habe, für die internationale Betrügerbande zu arbeiten. Die Pressedezernentin des Düsseldorfer Landgerichts, Dr. Elisabeth Stöve, bestätigte dem SCHAUFENSTER am vergangenen Mittwoch, dass die beiden Tatverdächtigen gebürtig aus Dormagen stammen und bereits zuvor straffällig geworden waren. Konkret ist die Betrügerbande laut des Geständnisses des 27-Jährigen folgendermaßen vorgegangen: Erst riefen angebliche Polizisten mit den Namen „Lehmann“, „Brenner“ oder „Jung“ bei Senioren in Bonn, Aachen, Lindlar, Schweinfurt oder Bad Hersfeld an. Dass die Anrufe von einem Callcenter in der Türkei ausgingen, erfuhren die Opfer dabei nicht, denn es erschien auf ihren Telefondisplays die Nummer „110“. Die „falschen Polizisten“ erzählten den ahnungslosen Senioren, dass diese ins Visier von Verbrechern geraten seien und unmittelbar einen Einbruch fürchten müssten. Deshalb sollten sie ihr Erspartes oder ihre Wertgegenstände zur Sicherheit der Polizei übergeben. Der 27-jährige Angeklagte aus Horrem habe dann die Beute abgeholt. In einem Fall in Bonn seien es 20.000 Euro gewesen, wovon er zehn Prozent behalten durfte. Diese gingen allerdings innerhalb kürzester Zeit für Drogen und Besuche in Spielotheken drauf. Weil ihn sein schlechtes Gewissen plagte und auch seine Familie mit hineingezogen wurde, habe er sich dazu entschieden, ein Geständnis bei der Polizei abzulegen. Am vergangenen Mittwoch sagte er, dass er sich bei allen Opfern der Betrügerbande entschuldigen möchte. Die jungen Männer müssen jeweils mit mehrjährigen Haftstrafen wegen bandenmäßigen Betrugs rechnen. Das Landgericht Düsseldorf hat für den Fall bis Mitte Februar weitere drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird am 14. Februar erwartet. Auch der Hackenbroicher Tatverdächtige hat eine Aussage angekündigt. (-jvh/sf)

Container für Altpapier

Die Entleerung der grünen Tonnen sorgte für heftigen Ärger. (Foto: Andrea Lemke)

Mächtig Ärger gab es in der vergangenen Woche über die Abholung der grünen Tonne. Die wurde zwar vom Entsorgungsunternehmen Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH (EGN) geleert, aber die Kartonagen wurden nicht wie üblich mitgenommen. Zahlreiche Bürger machten ihrem Unmut darüber in den sozialen Netzwerken Luft, andere beschwerten sich direkt beim Unternehmen oder bei der Stadt. Sogar Alt-Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann meldete sich in einem Brief an Bürgermeister Erik Lierenfeld zu Wort, den er auch dem SCHAUFENSTER zur Verfügung stellte. Darin stand unter anderem, dass er den gleichen Ärger zu Beginn seiner Amtszeit Anfang 2010 hatte und „die Kartonagen stehen zu lassen, ist für das Unternehmen die einfachste Lösung, sie entspricht aber nicht dem Entsorgungsvertrag und ist im Übrigen auch nicht die Lösung, die den Menschen in unserer Stadt weiterhilft“. Er hält die derzeitige Vorgehensweise des Entsorgers zudem nicht für sehr partnerschaftlich. Auch die Redaktion erreichten einige E-Mails zum Thema. Tenor: Wenn das Altpapier nicht entsorgt wird, landet es vermutlich als wilder Müll in der Natur. Die Beschwerden haben sich gelohnt. Denn: Ab Februar steht an jedem ersten Samstag im Monat für jeweils eine Stunde an fünf verschiedenen Standorten im Stadtgebiet ein mobiler Altpapiercontainer der EGN für die Bürger bereit. Die haben außerdem die Möglichkeit, kostenlos von der 120-Liter-Altpapiertonne auf die 240-Liter-Tonne umzusteigen. Zudem soll dem Rat vorgeschlagen werden, die Gebührensatzung so anzupassen, dass Haushalte künftig eine kostenlose zweite grüne Tonne beantragen können, wenn sie dauerhaft nicht mit einer Tonne ne auskommen. Das sind die Ergebnisse der Gespräche, die zwischen der Stadt und EGN geführt wurden. Anlass für diese Gespräche war die geänderte Abfuhrpraxis des Entsorgers, der seit dem Jahreswechsel keine neben der grünen Tonne abgestellten Kartonagen mehr mitgenommen hatte. „Die bisherige Praxis, einzelne neben den Tonnen abgestellte Kartonagen bei Privathaushalten mitzunehmen, obwohl hierzu weder nach dem Entsorgungsvertrag noch nach der Satzung über die Abfallentsorgung je eine rechtliche Verpflichtung bestand, wird EGN nicht länger aufrechterhalten“, erklärte Bürgermeister Erik Lierenfeld. „Wir haben deshalb jetzt gemeinsam nach bürgerfreundlichen Alternativen gesucht – und mit dem mobilen Altpapiercontainer eine vernünftige Lösung gefunden. Nach der sechsmonatigen Testphase setzen wir uns zusammen und schauen, wie das neue Angebot von den Bürgern angenommen wird“, so Lierenfeld weiter. „In der letzten Zeit sind die Kartons, die neben den grünen Tonnen stehen, immer mehr und immer schwerer geworden und stellen somit für unsere Mitarbeiter eine Gesundheitsgefährdung dar“, erläutert EGN-Betriebsstättenleiter Christoph Kropp. „Sowohl in unserem Entsorgungsvertrag als auch in der Abfallsatzung der Stadt ist zudem festgeschrieben, dass keine Abfälle neben die Abfallgefäße gestellt werden dürfen. Nun sind wir froh, dass wir einen praktikablen Entsorgungsweg für die Bürger gefunden haben“, so Kropp. In Sachen wilder Müll in Straberg in unmittelbarer Nähe des Balgheimer Sees gibt es auch Neuigkeiten. In der Zwischenzeit ließ die Stadt dort zwei Container aufstellen. Der eine ist bereits randvoll mit Sperrmüll, der so, wie er aussieht, aus einem sehr alten Haus stammen muss. Der andere ist zur Hälfte mit Dämmstoffen voll. Vom Täter fehlt aber nach wie vor jede Spur. (-ale/sf)

Müll dreist entsorgt

Türen, mit oder ohne Fenstereinrichtung, Stühle, alte Kleiderschränke, eine Sitzbank: Am Ufer des Balgheimer Sees im Norden, an einem Feldweg zwischen Straberg und Delhoven, liegt ein großer Berg Sperrmüll (Stand vergangenen Mittwoch). Es sind schon ein paar Quadratmeter, die dieser Berg unschön in der Natur einnimmt und das bereits seit vergangener Woche. Fast mannshoch ist er. Verursacher unbekannt. Da die ehemalige Inneneinrichtung fast säuberlich gestapelt ist, hatte der Müllsünder offenbar alle Ruhe der Welt, seinen Schutt abzuladen, der schon einen größeren Container füllen würde. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Feldweg zur wilden Müllhalde mutiert. Bereits dreimal wurde in

Bei Straberg wurde ein riesiger Berg Sperrmüll in der Landschaft entsorgt. (Foto: Andrea Lemke)

den vergangenen drei Monaten dort illegal Müll entsorgt. Und nicht nur dort: In Rheinfeld traute ein Paar kaum seinen Augen bei seinem Neujahrsspaziergang in unmittelbarer Nähe der Kläranlage. Dort am Rande des Gebüschs sah es aus, als hätten Berserker getobt. Müll ohne Ende, breit verteilt. Auf Facebook häufen sich ebenfalls die Meldungen über wilde Müllhalden. So wurde auch in Horrem in Nähe der Schrebergärten große Mengen an Sperrmüll entdeckt. Alleine in 2018 musste die Stadt die Abholung solchen Mülls gleich unzählige Mal veranlassen. In vielen Fällen kümmert sich der Baubetriebshof um die Entsorgung. Im vergangenen Jahr waren das alleine 85 Tonnen, die die Mitarbeiter weggeräumt haben. Handelt es sich um zu große Berge, wie der bei Straberg, rückt ein Entsorgungsunternehmen an, räumt den Mist weg und stellt es der Stadt in Rechnung. Kostenpunkt für die Stadt in 2018: insgesamt 66.000 Euro. Bis Ende November entsorgte oder ließ die Stadt rund 222 Tonnen illegalen Müll legal entsorgen. Für Dezember 2018 rechnet die Stadt nach Aussagen von Pressesprecher Jonathan Benninghaus mit weiteren acht Tonnen Dreck. Dabei wäre es durchaus einfach und vor allem umweltbewusster den Müll richtig zu entsorgen. In vielen Fällen sogar umsonst. Sperrige Gegenstände können auf Antrag abgeholt werden. Sperrige Gegenstände sind solche, die nicht in das graue Sammelgefäß passen, die aber üblicherweise bei einem Umzug mitgenommen werden. Maximal dürfen pro Anmeldung „Sperrmüll“ bis zu drei Quadratmeter als Sperrgut bereitgestellt werden. Zum Sperrmüll gehören beispielsweise Betten, Matratzen, Schränke inklusive Glas oder Spiegel, Teppiche, Sessel, Sofas, Stühle, Tische, Gartenmöbel, Schubkarre oder Regale.
Wer aber gar nicht weiß, wohin mit seinem Müll oder welche Art von Müll er hat und wie er ihn korrekt entsorgt, für den stehen die Mitarbeiter der städtischen Abfallberatung unter Tel. 02133/25 73 02 zur Verfügung. Wer einen Müllsünder erwischt, sollte sich an das städtische Ordnungsamt wenden. Die Mitarbeiter dort nehmen auch anonym Hinweise unter Tel. 02133/25 73 03 entgegen. Wer beim Entsorgen in der Landschaft erwischt wird, sollte wissen, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Die Stadt Dormagen kann in schwerwiegenden Fällen ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro verhängen. (Andrea Lemke)